Manfred Rattinger 

Der Sinn des Lebens 

(Eine wahre Geschichte) 


Heute bin ich 49 Jahre als und weiß genau, ich befinde mich im letzten Drittel des Lebens. Oft sitze ich da und frage mich, wofür das alles, viel erlebt, alles gehabt, könnte man nicht jetzt einfach so einen Schlußstrich ziehen? 

Wozu das alles noch. 

Kinder groß, zweimal verheiratet, beim zweiten Mal 6 Jahre, dabei gesundheitlich fast draufgegangen. Mich selbst vernachlässigt, ja fast selbst aufgegeben. Nun ja es ist vorbei. 

Gott sei dank. Meine Geschwister, ja kaum Familienzusammenhalt. Die meisten denken nur an sich, was der andere denkt und fühlt – egal –. Hauptsache selber vergnügen. Die Eltern, die gibt’s eigentlich gar nicht, die Kinder eigentlich nur Ballast. Aber ich habe für mich die Schallmauer durchbrochen. Mein Dreh und Angelpunkt auch für meine Gefühle sind meine Kinder und Enkelkinder geworden. 

Beruflich und finanziell immer alles o.k.. Nie große Sorgen in dieser Richtung. 

Die erste Ehe, nun ja, wir verstehen uns heute gut, haben einfach viel zu jung geheiratet, viel zu früh Kinder bekommen. Ich kam mit der Vaterrolle noch gar nicht richtig klar. 

Nach 10 Jahren haben wir uns getrennt, für mich war’s echt schwer, 2mal ein und ausgezogen, irgendwie ging’s nicht mehr, aber die Kinder, 3 Stück ohne Vater. 

Mehrere Beziehungen, ziemlich viel Müll, bin auch ganz schön verarscht worden, aber ich denke mein Helfersyndrom ist mir auch oft zumVerhängnis geworden. Habe versucht, mich soweit es ging, um die Kinder zu kümmern und finanziell für sie gesorgt. Sie wurden immer älter und ich bemerkte es kaum. 

Mike, mein ältester, ist 28 Jahre alt, er ist behindert, lebt in einer Wohngemeinschaft und arbeitet in einer Behindertenwerkstatt. Ich besuche ihn öfter und trinke mit ihm Kaffee. Für ihn ist das Leben seinen Umständen entsprechend o.k. 

Dennis, mein zweiter, er ist 23, hat mein Hobby zu seinem Beruf gemacht, jetzt hat er gerade nebenher mit der Meisterschule begonnen. Demnächst steht wohl sein Hausbau an. Naja und nach dem Motto „man gönnt sich ja sonst nichts“, wird er wohl im Januar noch „Papa“. Dann wird Nadine wohl meine Lieblingsschwiegertochter. Die ist ja sowas von lieb, der kann sich freuen, daß ich schon so alt bin, aber er hat sie verdient. 

Jasmin, ja ein Mädchen wollte ich schon immer. Sie ist erst 19 Jahre alt und so ein hübsches Mädchen, na ja kein Wunder, dass ich ruck–zuck meine erste Enkeltochter hatte, das totale Abbild von ihrer „Mama“. Es vergeht kein Tag an dem ich nicht an sie denke. Jetzt ist sie 2 Jahre alt und hat schon einen kleinen Bruder, der bald l Jahr alt wird, er hat sowas wie das ewige Lächeln im Gesicht. Jasmin war mir gegenüber immer eher scheu und zurückhaltend. 

Für mich war und ist sie immer mein Sonnenschein. Ich glaube sie wird erst begreifen, wie sehr ihr Vater sie geliebt hat und auch heute noch liebt, wenn ich schon von oben auf sie herabschaue. 

Sicher war bei ihr alles etwas früh und sicherlich lebt sie anders als wir uns es gewünscht hätten. 

Aber ich für mich habe akzeptiert wie sie lebt, Hauptsache sie ist und wird glücklich im Leben. 

So und nun urteilen Sie selbst, lohnt es sich da nicht trotz einiger Rückschläge im Leben, auf der Welt zu sein. 

Noch ein letztes Beispiel: Wenn ich Dennis gegenüber sitze und ihn anschaue, während er redet, dann sehe und höre ich mich vor 26 Jahren! Und ich weiß, ich habe nicht umsonst gelebt, sondern ich lebe in meinen Kindern, vielleicht sogar Enkelkindern weiter.